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Historische Grundlagen

Bakterien heilen Krankheiten
Die Herborner "sanfte Revolution"
Dr.med. Christian Maaß

Es war ein langer Weg bis zur Anerkennung der Tatsache, dass Bakterien nicht nur Erreger von Krankheiten sind, gegen die uns Antibiotika und Impfungen schützen müssen, sondern dass sie wesentlichen Anteil an unserer Gesundheit haben. Heute haben die Bakterien – "Nützlinge" ihren festen Platz in der Medizin als Probiotika (= für das Leben) und sind daher folgerichtig schon als "Gesundheitserreger" bezeichnet worden. Leider waren Bakterien zunächst als Feinde des Menschen, als Erreger von furchtbaren Krankheiten entdeckt worden. Pest, Cholera, Tuberkulose waren bis in das 20. Jahrhundert hinein "Geißeln der Menschheit", die immer wieder bei Epidemien unzählige Menschenleben kosteten. Ihnen wurde seit ihrer Entdeckung der wissenschaftliche "Krieg" erklärt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Waffen in Form von Antibiotika geschmiedet: 1932 als erstes und bekanntestes Antibiotikum das Penicillin, seit 1952 die Entwicklung der Breitbandantibiotika mit zunächst unglaublichen Erfolgen bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Bereits 1885 sagte der berühmte französische Mikrobiologe Louis Pasteur, dass menschliches Leben ohne Darmbakterien unmöglich sei. Er hatte Bakterien und andere Kleinstlebewesen, wie Hefen und Pilze von ihrer positiven Seite erforscht und kennen gelernt, zum Beispiel bei der Milchsäuerung und Käseproduktion, bei der Essigherstellung und der alkoholischen Gärung.

Für das ständige Zusammenleben von menschlichem Organismus und Bakterien wurde der Begriff der Symbiose geprägt. Intensive Forschungsarbeit erbrachte den Nachweis, dass dieses Zusammenleben in der Regel zum gegenseitigen Nutzen erfolgt. Inzwischen gilt unumstößlich: ohne Bakterien – kein Abwehrsystem. Besonders viele Bakterien, nämlich bis zu 1012 Mikroorganismen, leben auf der Schleimhaut unseres Verdauungstraktes, und in dieser Darmschleimhaut ist ein sehr großer Teil unseres Immunsystems angesiedelt. Der Darm gilt als Wiege des Immunsystems.

Konsequenterweise können Bakterien mit ihren positiven Eigenschaften in der Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Die erfolgt durch die Mikrobiologische Therapie, deren Anfänge bereits in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg liegen. Positive Behandlungsergebnisse ermutigten den Wetzlarer Arzt Hans Kolb und den Frauenarzt und Hochschullehrer Hans Peter Rusch dazu, 1954 den ARBEITSKREIS FÜR MIKROBIOLOGISCHE THERAPIE (AMT) zu gründen. Von den Forschungsergebnissen dieses Arbeitskreises sind auch Impulse im biologischen Landbau und in der Veterinärmedizin fruchtbar geworden. Das gleichzeitig von RUSCH und KOLB im Jahre 1954 in Herborn eingerichtete mikrobiologische Labor wurde 1977 vom INSTITUT FÜR MIKROÖKOLOGIE (IFM) übernommen. Seine Aufgaben liegen heute auf dem Gebiet der medizinischen Mikrobiologie und umfassen aber auch Grundlagenforschung zur Immunologie und Allergologie bis hin zur hochaktuellen Problematik von Nahrungsmittelallergien.

Die Zahl der Ärzte, die die Mikrobiologische Therapie mit Probiotika anwenden wird immer größer, da es dieser Behandlung auf natürlichem Wege gelingt, die körpereigene Abwehr zu stärken. Dadurch können Antibiotika auf ein NOTwendiges Maß reduziert werden und es kann eine Vielzahl chronischer Krankheiten, bei denen durch fehlerhafte Lebensweise und Ernährung, Umweltbelastung und Medikamentenmissbrauch das Immunsystem des Körpers gestört ist, behandelt bzw. das Entstehen von Immunschwächen verhindert werden. Die Behandlungskonzepte der Mikrobiologischen Therapie können also einen wichtigen Teil der Medizin unseres Jahrhunderts ausmachen, da sie auch für viele chronische Krankheiten Lösungen anbieten, für die die heutige Universitätsmedizin keine Antworten hat.

 
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