Was sind Autovaccinen?
Autovaccinen
sind Individualarzneimittel, die aus patienteneigenen Bakterien
hergestellt werden. Die Bakterien werden beim Herstellungsprozess
abgetötet und die gesamte Arznei ist nach Fertigstellung steril. Als
wirksamer Bestandteil verbleiben in der Autovaccine die
Oberflächenstrukturen der Bakterien. Diese Oberflächenstrukturen
sind für die Unterschiede der Vaccinen von verschiedenen Menschen bzw.
unterschiedlichen Material-Entnahmezeiten verantwortlich. Die
Bakterienoberflächen verändern sich in Abhängigkeit von den
Milieuverhältnissen in denen die Bakterien leben. Daher sollten
Autovaccinen auch längstens in einem Zeitraum von ca. 6 Monaten bei
Patienten angewendet sein, unabhängig von der Produkthaltbarkeit.
Danach ist es ratsam eine neue Vaccine anzufordern, da sich die
immunologisch wirksamen Oberflächenstrukturen meistens geändert haben
werden.
Unspezifische Autovaccine:
Die
unspezifische Autovaccine ist die häufigste Anwendung. Wir blicken
heute auf eine über 50jährige Tradition zurück. Für die
Vaccine-Herstellung werden Coli-Bakterien aus Stuhlproben gewonnen
(Autovaccine intestinal = AVI). Zur weiteren Aufarbeitung im
Herstellungsprozess werden nur Kulturen verwendet, die besondere
Anforderungen erfüllen, so z.B. als S-oder R-Formen wachsen, keine
Toxine bilden und keine ß-Hämolyse verursachen. Der
Wirkungsmechanismus beruht auf einer Signalinduktion bei
unterschiedlichen Immunzellen. Besonders gut untersucht sind die
Veränderungen der Zytokinmuster von T-Helferzellen im Rahmen einer
Autovaccinetherapie.
Der stimulierende Reiz geht dabei von unterschiedlichen
Immunkontaktzellen aus. Bei der oralen Autovaccine werden die wirksamen
Bakterienbestandteile von den M-Zellen weitergeleitet und lösen die
immunmodulierenden Effekte aus. Bei der intrakutan Applikation und der
transdermalen Anwendung sind es die Langerhanschen Zellen der Haut, die
für die Signalinduktion verantwortlich gemacht werden.
Anwendung:
Standardmäßig
wird die AVI als Injektion eingesetzt. Bei Kindern kommt die
Herstellung zur Einreibung zum Einsatz. Bei schweren
Hauterkrankungen oder zur besonderen Stärkung der Schleimhautfunktionen
wird die orale Form bevorzugt.
Spezifische Autovaccinen:
In
den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass eine vollständige und
nachhaltige Keim-Eradikation mit oralen Antibiotika nicht erreichbar
ist. Die hohen Rezidivraten, sowie die Zunahme von Patienten mit
chronischen Infekten machten deutlich, dass erweiterte
Therapiestrategien erforderlich sind. So erkannten die Wissenschaftler,
dass die Funktionen des Schleimhautimmunsystems eine zentrale Bedeutung
beim Infekt- und Rezidivgeschehen haben.
Ohne Adhäsion keine Infektion!
Viele opportunistische Keime lassen sich nach einer Antibiose bereits
nach kurzer Zeit erneut in Abstrichen und Sekreten aus der Schleimhaut
nachweisen. Spezifische Autovaccinen aus Krankheitserregern, die
vorher für das infektiöse und entzündliche Geschehen verantwortlich
waren bzw. daran beteiligt waren, stärken nun die sIgA-Antwort der
Schleimhaut. So helfen sie die erneute Vermehrung von Keimen zu
unterdrücken bzw. sie verringern die Adhäsionsrate der Krankheitserreger an
der Schleimhaut. Zur Verfügung stehen derzeit zahlreiche spezifische
Vaccinen.
- Parovaccinen aus Parodontalkeimen aus dem Sulkus
- Candida-Vaccinen aus dem Darm (Stuhl) oder Vaginalabstrich
- Vaccine aus Urin
- Vaccinen aus Eiter (Furunkeln, Abzesse, Akne)
- Auf Nachfrage lassen sich weiter Herstellungsoptionen realisieren.
Einsatzmöglichkeiten von Autvaccinen in der Praxis:
- unspezifische Vaccine (E.coli-Vaccine)
chronische Infekte (Sinusitis, Bronchitis, Gastritis, Urogenitalinfekte)
Erkrankungen des allergischen Formenkreises:
Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien
Allergische Urticaria,
Neurodermitis
Reizdarmbeschwerden, Darmpilze
Chronische Entzündungsprozesse (Fibromyalgie, Arthritis)
Hauterkrankungen (Akne)
- spezifische Vaccine
rezidivierende Candida-Infekte (Darm, Vagina)
Parodontalerkrankungen
Hauterkrankungen (Furunkel, Akne)
Hartnäckige Infekte des Urogenitalsystems
Das Anwendungschema
Je
nach Erkrankung bzw. Schwere der Erkrankungen kommen angepasste
Verdünnungen der Autovaccine-Stammlösung zum Einsatz. In der
Stammlösung befinden sich Oberflächenstrukturen von 1 Milliarde
Bakterien. Die Verdünnung erfolgt in 10er Schritten. So enthält die
Verdünnung 6 nur noch Oberflächenstrukturen von 1000 Bakterien. Für die
Erstbehandlung kommen meist die Verdünnungsstufen 7 oder 6 zum Einsatz.
Der Patient erhält seine Autovaccine 2 x in der Woche in
aufsteigender Konzentration, von 0,1 – 0,7 ml. Aus der
Erfahrungsheilkunde wird die intrakutane Quaddel im 2. ICR (Lunge 1 bei
der Akupunktur) gesetzt. Andere Orte sind möglich. Dieses
Grundschema gilt sowohl für die unspezifischen, wie die spezifischen
Vaccinen. Für wiederkehrende Infekte im Urogenitalsystem liegen
zahlreiche Erfahrungsberichte über eine Kombination von spezifischer
und unspezifischer Vaccine vor. Erste Erfahrungen in dieser Richtung
gibt es auch bei Candida- und Parovaccinen. Eine genaue
Vorgehensweise gibt es über eine Anleitung zum Einsatz von Autovaccinen
über den Arbeitskreis für Mikrobiologische Therapie (AMT e.V.) bzw. die
Fa. Symbiovaccin.
Autovaccinen – alte Erfahrungsberichte – neu entdeckt
Autovaccine – Stabilisierung des Immunsystems nach Impfungen
Immer
wieder werden nach Impfungen Veränderungen im allgemeinen
Gesundheitszustand der Kinder bemerkt, wie eine verstärkte Ausprägung
der Allergie und eine Zunahme des Schweregrades bei Neurodermitis,
sowie ein erhöhte Infektanfälligkeit. Auch wenn die Kausalität nicht
vollständig nachgewiesen ist, so sind aus erfahrungsheilkundlicher
Sicht die Indizien nicht wegzudiskutieren. Verschiedene homöopathische
Ansätze (z.B. Thuja) und Nosodentherapien werden in der Praxis
angewendet. Dennoch bleiben viele Fälle ohne befriedigendes Ergebnis.
Eine Autovaccinebehandlung stellt dann eine weitere Option dar. Es
konnte an Patienten mit endogenem Ekzem gezeigt werden, dass eine
Verschiebung des Interleukinmusters der T-Helferzellen durch eine
Autovaccinebehandlung normalisiert werden kann. Vor allem die
Lebendimpfungen (Masern, Mumps, Röteln) verändern die
T-Helferzellbalance, was in der internationalen Literatur schon seit
langen bekannt ist. Für Kinder ist eine orale AVI die richtige
Anwendungsform. Vor allem bei Kindern mit Veranlagung für Erkrankungen
des allergischen Formenkreises incl. Asthma kann die Autovaccine sowohl
vor als auch nach der Impfung ein wertvolles Therapeutikum zur
Stabilisierung der Immunfunktion sein. Allein die Tatsache, dass
Autovaccinen die Infektanfälligkeit reduzieren und damit den
potentiellen Einsatz von Antibiotika abwehren, rechtfertigt den Einsatz
bei jedem Kind, das im Kindergarten- oder Schulalter geimpft werden
soll.
Infektprophylaxe – Schutz vor grippalen und anderen viralen Infekten.
Der
Arbeitskreis für Mikrobiologische Therapie hat sich im Jahr 2004
intensiv mit der Historie der Autovaccine auseinandergesetzt und ist
dabei auf verschiede Anwendungen in der Vergangenheit gestoßen. Vor
allem lagen gute Berichte vor, dass im Vorfeld der eigentlichen
Besserung chronischer Infekte, die mit Autovaccine behandelten
Patienten sich als gut geschützt vor akuten Infekten präsentierten. So
entstand ein Design einer Anwendungs-Dokumentation von Ärzten und
Heilpraktikern aus dem Kreise des AMT, das nach seiner
Auswertung im Frühjahr 2006 zeigte, dass Autovaccinen einen
starken Schutz vor grippalen Infekten bieten. Nahezu alle Patienten
hatten nach der Behandlung deutlich weniger Infekte als im Vorjahr.
Dabei kam ein Kurzzeitschema einer hoch verdünnten Autovaccine zum
Einsatz.
Der AMT
empfiehlt nun folgendes Anwendungsschema: 3 x die Woche 0,3ml
Autovaccine als intrakutane Quaddel. In der ersten Woche die Stärke 7,
in der zweiten Woche die Stärke 6.
TIPP: Bei Bedarf können die Reste innerhalb der nächsten Monate
aufgebraucht werden (z.B. bei Heuschnupfenpatienten, um diese
rechtzeitig vor der Allergiesaison zu stärken).
Die Autovaccine ist kein Ersatz für eine echte Grippe-Impfung. Da diese
aber nur in etwa der Hälfte der Fälle bei Patienten über 65 Jahren
ausreichenden Schutz bietet, ist eine Autovaccine jedoch eine
Alternative und allemal eine gute Ergänzung.
Mit der Autovaccine steht uns in der Naturheilkunde eines der
wirksamsten Medikamente zur Regulation der Immunfunktionen zur
Verfügung. Autovaccinen gehören in das Basisangebot einer jeden Praxis.
Denn nur mit optimalen Immunfunktionen erreicht die Naturheilkunde
optimale Erfolge. Autovaccinen optimieren unsere Immunfunktion – sanft,
angepasst und zielgerichtet. |