Wirkprinzipien
Bei der Vielfalt der Produkte werden folgende grundsätzlichen Wirkprinzipien unterschieden:
- Wirkung über eine Milieubeeinflussung durch große Mengen an zugeführten Mikroben (Milchsäurebakterien),
- unspezifische Immunwirkung auf Phagozyten und das Komplementsystem,
- spezifische Immunwirkung auf das B- und T-Zellsystem (Escherichia coli, Enterokokken) sowie
spezifische Wirkung auf das Immunsystem in Anlehnung an das Impfprinzip (opportunistische Bakterien).
Physiologische Schleimhautfloren
Der
menschliche Gastrointestinaltrakt beherbergt ein komplexes und
anpassungsfähiges mikrobielles Ökosystem, das sich erst ab der Geburt
etabliert. Spezies der Familien Enterobacteriaceae sowie der Gattungen
Bacteroides und Bifidobacterium können als erste Mikroorganismen
nachgewiesen werden. Mit steigendem Lebensalter nimmt auch die Anzahl
unterschiedlicher, zumeist obligat anaerober Bakterienspezies zu. Nach
Schätzungen besiedeln etwa 1.000 unterschiedliche
Bakterienspezies sowohl das Darmlumen als auch die
Muzinschicht sowie die mukosalen Oberflächen. Dabei zeigt der Dünndarm
mit 103 - 107 Zellen/g Trockenmasse eine deutlich geringere
Bakteriendichte als der Dickdarm (1011 - 1012 Zellen/g Trockenmasse).
Es dominieren Bacteroides, Eubacterium, Bifidobacterium, Clostridium,
Fusobacterium und Peptostreptococcus. In der Gruppe der fakultativen
Anaerobier findet man die gramnegativen Enterobacteriaceae (Escherichia
coli, Klebsiella spp., Proteus spp.) und grampositive Enterococcus spp.
[15]. Das Zusammenleben von Wirt und Mikroorganismen bietet beiden
Seiten Vorteile: Nahrungsbestandteile und vom Wirt gebildete
Substanzen dienen den Mikroben als Kohlenstoff- und Energiequelle.
Umgekehrt wird der Körper mit kurzkettigen Fettsäuren versorgt, die als
Fermentationsprodukte der Mikroflora entstehen (Essig-, Propion- und
Buttersäure). Butyrat dient den Enterozyten als Hauptenergiequelle,
während Acetat im Muskelgewebe und Propionat in der Leber
verstoffwechselt werden. 5-10 % der Gesamtenergieversorgung des
Menschen werden aus den kurzkettigen Fettsäuren gewonnen [7].
Die Mikroflora ist weiterhin an vielen biochemischen Prozessen, so an
der Metabolisierung von Steroiden und Gallensäuren und am Abbau von
polyphenolischen Verbindungen, beteiligt. Eine besondere Bedeutung der
Schleimhautfloren liegt in der Abwehr von Krankheitserregern und der
Stimulierung des Mukosa-Immunsystems (s.u.).
Zu den Bakterienarten und ihrer Funktion vgl. Abb. 1.
Für diagnostisch-therapeutische Zwecke hat sich die Einteilung in Protektivflora, Immunflora und proteolytische Flora bewährt.

(Für eine größere Darstellung, bitte anklicken)
Abb.1: Bakterienarten und ihre Bedeutung für den Menschen [nach 28].
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